Eine gewaltige Absage an Gewalt – Die innere Friedensbewegung

23.10.2007 – FJH

„Wer Wind sät, wird Sturm ernten“, heißt es in der Bibel. Im „Alten Testament“ propagiert sie das Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Doch erklärt der alttestamentarische Gott auch: „Mein ist die Rache.“

Im „Neuen Testament“ hingegen fordert Jesus dazu auf, demjenigen auch die linke Wange hinzuhalten, der Einem auf die rechte geschlagen hat. Und bei einer Steinigung warnt er die geifernde Menge: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“

„Gott ist die Liebe“, heißt es dann auch folgerichtig im „Buch der Bücher“. Was daraus aber die Kleriker im Laufe von Jahrtausenden gemacht haben, das darf wohl nur zum allerkleinsten Teil den Begriff „Liebe“ für sich beanspruchen.

Ein Ausdruck von Liebe waren Ketzerverfolgung und Hexenverbrennung, Inquisition und Kreuzzüge, „Missionierung“ und die Verteufelung Andersdenkender oder Andersgläubiger sicherlich nicht. Gerade die katholische Kirche hat ihre weltliche und religiöse Macht jahrhundertelang auf Drohungen und offene oder versteckte Gewalt aufgebaut. Macht-Ansprüche beinhalten schließlich immer auch Unterdrückung und Drohung.

Wirklich friedliches Verhalten hingegen sieht ab von Drohungen. Es verzichtet auf Macht-Ansprüche. Es verfolgt allein das Ziel, andere Menschen durch Argumente und das eigene Beispiel zu überzeugen.

Deswegen muss der Friedliebende mit der Änderung der Welt bei sich selbst beginnen. Eine „innere Friedensbewegung“ muss der nach außen gewandten Forderung nach Frieden vorausgehen. Sie beginnt schon beim alltäglichen Verhalten.

„Runter vom Rad“, fährt der Passant die Radlerin an. Völlig erschrocken, fällt sie fast von ihrem Drahtesel. Sie weiß überhaupt nicht, was sie falsch gemacht hat. Schließlich ist sie doch gerade auf einem ausgewiesenen Radweg unterwegs.

„Da sind Kinder“, brüllt der Mann und deutet auf eine Gruppe von Schülern. Gleichzeitig tritt er der Radlerin in den Weg.

„Arschloch!“, faucht sie zurück und zeigt ihm den Stinkefinger.

So wird der Mann seine Warnungen nicht wirklich durchsetzen. Er schürt nur einen bösen Konflikt, bei dem die Angesprochene in ihrer Position verhärtet. Jeder betreibt Rechthaberei, anstatt den Anderen von seinen Argumenten zu überzeugen.
Wie hätte diese Szene sonst aussehen können? Hätte der Passant lächelnd gerufen „Vorsicht, da kommen Kinder!“, dann hätte die Radlerin ihn nicht als aggressiv erlebt. Er hätte nicht in ihr eigene Aggressionen geweckt und den Stinkefinger provoziert.

„Gewaltfreie Konfliktlösung“ lautet eine viel geäußerte Forderung der Friedensbewegung. Jeder, der diese Forderung ernsthaft vertritt, sollte damit bei sich selbst und seinem eigenen Verhalten im Alltag anfangen.

Vorbilder für nichtmilitärische Wege zum Frieden haben der norwegische Friedensforscher Johan Galtung und der kanadische Schriftsteller Henry David Thoreau aufgezeigt. An Thoreaus Aufsatz „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ haben sich Mahatma Gandhi und Martin Luther King in ihrem gewaltfreien Kampf für Bürgerrechte orientiert. Von elementarer Bedeutung war dabei immer die persönliche Friedfertigkeit.

„Friede den Hütten, Krieg den Palästen!“ Diese Forderung formulierte der deutsche Dichter und Dramatiker Georg Büchner 1834 in seiner Flugschrift „Der Hessische Landbote“. Frieden ist – wie diese Formulierung treffend ausdrückt – meist eine Angelegenheit im Kleinen. Frieden entsteht aus Genügsamkeit und Selbstbeschränkung. Frieden entsteht aus Zufriedenheit und schafft sie gleichzeitig auch.

Krieg hingegen ist Ausdruck der Gier nach Geld, nach Macht und nach Ruhm. Krieg bedarf der Unterdrückung von Menschen im Innern wie auch nach Außen.

Wenngleich der alte Spruch vieler Friedensbewegter auch ein wenig naiv anmutet, enthält er doch einen wahren Kern: „Stell Dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin!“

Frieden entsteht aber nicht allein schon durch die bloße Abwesenheit von Krieg. Er bedarf auch der Solidarität der Menschen untereinander. Und Frieden bedarf der Bereitschaft, sich zu engagieren.

Deswegen muss der Spruch vielleicht umgedreht lauten: „Stell Dir vor, wir machen Frieden, und alle gehen hin!“

Franz-Josef Hanke

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