Kreuzzug von Korbach nach Kabul? – Gedanken zur Entführung einer christlichen „Entwicklungshelferin“

20.08.2007 – FJH

Was wohl wollen all diese wohlmeinenden Christenmenschen in islamischen Ländern? Nach der Befreiung der deutschen „Entwicklungshelferin“ Christina M. aus afghanischer Geisel-Haft stellt sich diese Frage einmal mehr.

Bereits die Anwesenheit von 23 koreanischen Christen im unsicheren afghanischen Hinterland belegt, dass evangelikale Fundamentalisten Offenbar nichts Besseres zu tun hatten, als in Truppenstärke auf Muslim-Missionierungstour zu ziehen. Ihre Entführung und die Ermordung zweier Männer aus dieser Gruppe sind vermutlich die brutale Antwort der fundamentalistischen Taliban auf eine fundamentalistische Offensive missionsseliger Christenmenschen.

Ihre Arbeit beschreibt die Korbacher Hilfsorganisation „Ora International“ als „ganzheitlich“. Auch ihr geht es neben der direkten Hilfe mit Nahrungsmitteln und ärztlicher Versorgung um die „Seelen“ ihrer Opfer. Zumeist wendet sie sich an Kinder. Ihre Selbstdarstellung verheißt ebenfalls missionarisches Eiferertum.

Genau für diese „christliche konfessionsübergreifende“ Organisation aus dem hessischen Hinterland waren Christina M. und ihr Ehemann in Kabul aktiv. Nach einem Mittagessen im Schnellrestaurant „Bar-B-Q Tonight“ wurde die Deutsche am Samstag (18. August) von zwei Männern in ein bereitstehendes Auto gezerrt und weggebracht. Ein zufällig vorbeikommender Passant wurde bei dieser Aktion erschossen.

Sofort eingeleitete Straßensperren konnten tatsächlich verhindern, dass die schwangere Frau aus der afghanischen Hauptstadt hinausgeschmuggelt wurde. Ihren Fall erklärte der afghanische Innenminister umgehend zur Chefsache. Ihm war klar, das die Entführung einer Europäerin nur wenige Tage nach dem mörderischen Attentat auf vier deutsche Polizisten die Sicherheitseinschätzung der Hauptstadt erheblich verschlechtern und einen Rückzug wichtiger westlicher Helfer zur Folge haben könnte.

Doch bei den Entführern muss es sich wohl um großkotzige Trottel gehandelt haben. Sie müssen sich dermaßen dumm angestellt haben, dass selbst die korrupte und unfähige afghanische Polizei ihr Versteck ermitteln konnte. Bedient hat sie sich dabei vermutlich sogenannter IMSY-Catcher, die den Standort von Mobiltelefonen orten können.

Mehrere Handy-Telefonate der Entführer und ihrer Geisel haben der Polizei anscheinend geholfen, das Versteck der Entführer zu finden. Zudem soll sie auch Hinweise besorgter Nachbarn erhalten haben.

Schon bald zirkulierten in Kabul die Namen der Entführer. In der Nacht von Sonntag (19. August) auf Montag (20. August) gelang es der afghanischen Polizei schließlich, die 31-jährige Geisel nach 36 Stunden unverletzt aus der Hand ihrer Entführer zu befreien. Außerdem nahm sie im siebten Distrikt von Kabul, der auch „Pool-e-Hassan“ genant wird, vier Entführer fest.

Zurück bleibt nach dieser sonderbaren Eskapade die Frage, warum christliche Hilfsorganisationen in islamisch geprägte Länder gehen und schwangere Frauen dort als sogenannte „Entwicklungshelfer“ einsetzen. Die großen kirchlichen Hilfswerke hingegen konzentrieren ihre Arbeit eher auf christlich geprägte Länder und Gegenden, wo sie über eine eigene Infrastruktur verfügen.

Anders verhält es sich mit der weitgehend unbekannten Organisation „Ora International“. Auch wenn sie beteuert, schon zu Zeiten der Taliban-Herrschaft in Afghanistan aktiv gewesen zu sein, erscheint wohl eher wahrscheinlich, dass sich ihre Mitarbeiter dort als Missionare betätigen.

Schließlich ist ihr Gründer Heinrich Floreck auch dadurch aufgefallen, dass er in der Berliner Nazareth-Gemeinde Brandreden gegen eine angeblich islamistische Unterwanderung Deutschlands hielt. Auch andere Unterstützer von „Ora International“ scheinen ihr Engagement eher gegen den Islam zu richten als auf Hilfe für seine Anhänger.

Umso unverständlicher ist, dass die Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen sich als „Schirmherrin“ hinter diese Arbeit gestellt hat. Ist ihr die zweifelhafte Ausrichtung dieser Organisation nicht bekannt oder unterstützt sie diese Form der Missionierung von Muslimen sogar?

Ein so verstandenes Christentum wird den Streit den Religionen sicherlich eher schüren als schlichten. Auch wenn die Leute von „Ora International“ immer ihre karitative Arbeit für die Afghanen herausstellen, wirkt ihr Engagement auf den außenstehenden Betrachter eher problematisch. Vielleicht sind die Kreuzzüge des 21. Jahrhunderts ja Verteil-Aktionen von Geld, die vor allem auf die „Seelen“ muslimischer Kinder abzielen?

Franz-Josef Hanke

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