GAU – der Größte Abzulehnende Unfall – Robert Jungks „Atomstaat“ ist schon Wirklichkeit

30.06.2007 – FJH

Wahrscheinlich ist die Welt wieder einmal um Haaresbreite an einem GAU vorbeigeschrammt. Doch beim Brand der beiden Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel hat „zu keiner Zeit eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden“, beteuert die Betreiber-Firma Vatenfall. Wer“,s glaubt, wird wohl dran glauben müssen!

Aufschrecken sollte kritische Beobachter die zeitliche Koinzidenz der beiden Brände: Nachdem in Brunsbüttel am Donnerstag (28. Juni) ein Schwelbrand entstanden war, geriet auch im benachbarten Krümmel eine Transformatoren-Station in Brand. Immerhin ist dort eine so hohe Temperatur entstanden, dass Experten die Trafo-Station voraussichtlich erst am Montag (2. Juli) werden betreten können.

Ausgelöst worden sei der zweite Brand am Donnerstag dadurch, dass es nach der Abschaltung des AKW Brunsbüttel Zu „Schwankungen im Verbundnetz“ gekommen sei. In Hamburg seien dadurch kurzzeitig die Ampeln ausgefallen. In Krümmel sei es dann zu dem Brand in der Trafo-Station gekommen.

Wiederholt hatte sich das vielgepriesene Verbundnetz in der Vergangenheit als äußerst störanfällig erwiesen. Nachdem oberirdische Überlandleitungen im Winter 2005 unter der Last des Schnees eingedrück und Masten einfach umgeknickt worden waren, fiel Ende November 2005 im Münsterland und Teilen des Osnabrücker Landes tagelang der Strom aus. Als ein Kabel quer über die Ems wegen der Durchfahrt eines größeren Kreuzfahrt-Schiffes von der Werft in Papenburg zur Nordsee abgeschaltet wurde, kam es im November 2006 ebenfalls zu einer Kettenreaktion mit einem größeren Stromausfall.

Wenn aber ein solcher Stromausfall oder schon „Schwankungen im Verbundnetz“ zu Bränden in Atomkraftwerken führen können, dann ist diese Technik bei Weitem nicht so sicher, wie ihre Betreiber die Öffentlichkeit immer glauben machen wollen. Nicht auszudenken wäre, wenn das Feuer in der Trafo-Station auf den nuklearen Teil des AKW Krümmel übergegriffen oder die im Umspannwerk entstandene Hitze dort eine Kettenreaktion ausgelöst hätte!

Trotzdem will Vattenfall beide Reaktoren möglichst schnell wieder ans Netz bringen. Und sowohl bei den Kraftwerksbetreibern als auch in der CDU/CSU und der FDP gibt es immer noch Leute, die die Klima-Katastrophe mit Hilfe der Atom-Energie bekämpfen wollen. Hitzige Debatten stehen hier beim „Energie-Gipfel“ der Bundesregierung mit der Strom-Wirtschaft am Dienstag (3. Juli) in Berlin an.

Angesichts ihrer mafiösen Verstrickung in Sachsen und des Falls des mittelhessischen Umwelt-Aktivisten Jörg Bergstedt ist auch das Vertrauen in Ehrlichkeit und Redlichkeit von Justiz, Polizei und Politik erheblich erschüttert

Fälle von Machtmissbrauch häufen sich. Ermittlungen darüber verlaufen schleppend oder ganz im Sande. Akten verschwinden spurlos in den unendlichen Weiten von gnädigen Rechnern oder verschwiegenen Schreddern berechnender Beamter.

Schleichend hat sich auch schon die Prognose des Zukunftsforschers Prof. Robert Jungk bewahrheitet: Schon 1977 hatte er den „Atomstaat“ vorhergesagt, der die lückenlose Überwachung aller Menschen durchsetzt. Neben die Gefahren der Atomtechnik sind nun mittlerweile auch noch andere Begründungen für die Aushorchung und Ausspähung der Menschen getreten: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble beteuert immer wieder, er wolle damit dem „Terrorismus“ begegnen.

Gerade diese Terroristen sind allerdings ein weiterer Grund dafür, dass Atomanlagen heute als weit gefährlicher gesehen werden müssen als zu Zeiten von Jungks Buch-Veröffentlichung. Denn für Terroristen sind Atomanlagen ideale Ziele: Mit geringem Aufwand können sie durch einen Angriff auf solche Objekte Millionen von Menschen in Angst und Schrecken versetzen, bedrohen und – leider auch – ermorden!

Deswegen ist der schnelle Ausstieg aus der Atom-Energie die einzige Alternative zu einer Welt, wie sie George Orwell 1948 in seinem Roman „1984“ und Robert Jungk 1977 in seinem Buch „Der Atomstaat“ beschrieben haben!

Franz-Josef Hanke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*