Zehn kleine Jägerlein – Vom beklagenswerten Zustand der deutschen Bundeswehr

02.04.2007 – FJH

Zehn Tornado-Kampfjets sollen am Montag (2. April) vom Luftwaffen-Stützpunkt Jagel aus nach Afghanistan aufbrechen. Bei der Verabschiedung der Kampfflieger durch Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung könnte die übliche Begleitmusik aber sehr dünn ausfallen. Denn der Bundeswehr mangelt es an uniformierten Musikern.

Vor allem Oboe und Fagott fehlen bei den Musik-Corps der Bundeswehr. Die Wehrpflichtigen blieben zu kurz bei der Armee, beklagt die Generalität. Eine gründliche musikalische Ausbildung sei innerhalb der wenigen Monate kaum möglich. Deshalb wirbt die Bundeswehr jetzt um Zeit-Soldaten, denen sie eine gründliche musikalische Ausbildung verspricht.

Hinnehmen müssen die Musiker beim Militär allerdings, dass ihre Musik sehr stark von Blechblas-Instrumenten geprägt wird. Auch Klassik kommt da mitunter im Gewande zackiger Marschmusik daher, wenn die deutsche Armee überhaupt noch genügend Musik machen kann.

Manche mögen nun verwirrt fragen: Hat die deutsche Bundeswehr keine anderen Probleme? Ist es so wichtig, dass junge Menschen den Militärs den Marsch blasen?

Die Antwort ist ein klares „Ja“. Denn ohne Musik ist noch keine Armee der Welt willig in den Krieg gezogen. Ohne Musik gingen die Soldaten still schweigend in den möglichen Tod!

Die Gefährlichkeit des Einsatzes gerade in Afghanistan ist augenfällig. Auch wenn der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck bei seinem Besuch in Kabul am Montag (2. April) die Gefahren dort herunterspielte, bekräftigte er doch deutlich, dass mit weiteren deutschen Soldaten für Süd-Afghanistan nicht zu rechnen ist.

„Aufbau-Hilfe“ rückte auch Beck in den Mittelpunkt der deutschen Bemühungen um Afghanistan. Diese „zivil-militärische“ Option ist die derzeitige Strategie deutscher Militärpolitik: Man macht sich bei der Bevölkerung „lieb Kind“, damit man nicht gar so stark abgelehnt wird als „feindlicher Besatzer“.

Diese durchsichtige Taktik verstehen die Menschen in Afghanistan freilich auch. Doch solange sie davon profitieren, halten sie die Hand auf und den Mund zu. Sobald aber militärische Aktionen sie stören, kann sich das von einer Sekunde auf die andere dramatisch ändern.

Gegenüber Beck haben sich die Soldaten in Bundeswehr-Stützpunkt Masar-i-Scharif über die Zustände dort beklagt. Das Essen sei schlecht. Nur vier Telefone stünden für Gespräche mit Angehörigen bereit. Die Wohn-Container hätten schon jetzt Schimmel an den Wänden. Dabei ist mit dem Bau des Lager gerade erst Ende 2005 begonnen worden.

Mit ihren Auslands-Einsätzen stößt die Bundeswehr ohnehin schon an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Mittel für deutsche Soldaten auf dem Balkan, in Afghanistan, am Horn von Afrika und vor dem Libanon im Mittelmeer verschlingen dermaßen große Teile des Militär-Budgets, dass für die Kasernen daheim kaum noch etwas übrig bleibt. Ihren bejammernswerten Zustand kritisierte der Wehrbeauftragte Reinhard Robbe jüngst in seinem Jahresbericht.

Gammelige Kasernen, untaugliches Material und fehlende moderne Ausrüstung bemängelte der Wehrbeauftragte. Das gilt anscheinend auch für die Flugzeuge, die in 3.000 Metern Höhe über Afghanistan Stellungen der Taliban auskundschaften sollen.

Der problematische Zustand der Tornado-Kampfjets ist der Grund, warum im schleswig-holsteinischen Jagel am Montagmittag zehn Düsenjets aufsteigen, während am Donnerstag (5. April) in Masar-i-Scharif nur sechs ankommen sollen. Vier Flugzeuge möchte die Luftwaffe auf dem Weg dorthin aussondern.

Wie sicher ein so heikler Einsatz mit Gerät ist, dem selbst die Generalität nicht einmal den Überführungsflug von Deutschland nach Afghanistan sicher zutraut, mag jeder sich selbst einmal fragen.

Wahrscheinlich wird deshalb in Jagel auch eher ein Trauermarsch erklingen. Ein trauriges Bild zumindestens vermitteln diese Bundeswehr und ihre politische Führung, die sich von angeblichen „Verbündeten“ zu solch einem Einsatz erpressen ließ.

Dagegen steht noch eine Verfassungsklage der Linkspartei ins Haus. Das Bundesverfassungsgericht hat für Mittwoch (18. April) eine mündliche Verhandlung darüber anberaumt. Eine Einstweilige Anordnung zum Stopp der Stationierung hingegen hat das höchste deutsche Gericht in Karlsruhe abgelehnt.

Und so hat die Luftwaffe nun die einmalige Chance, ihr Kampfgerät auf seine Kriegstauglichkeit hin zu testen. Dieser Testflug findet ausgerechnet zu einem Zeitpunkt statt, wo 15 britische Soldaten im Iran festgehalten werden und die Welt bange fragt, wie es dort weitergehen wird. Sollte die Lage dort explodieren, wird das auch den deutschen Soldaten in Afghanistan schwerwiegende Probleme bereiten.

Besser wäre gewesen, die Bundesregierung hätte das ganze Geld für alle Militär-Einsätze in die Entwicklungshilfe sowie in die deutschen Sozial-Systeme und in den Klima-Schutz gesteckt. Das wäre eine nachhaltige Investition in den Frieden und in die Zukunft gewesen.

Investitionen in Militär hingegen mästen nur die Rüstungs-Industrie. Die aber streicht dann Arbeitsplätze, um die nationalen Regierungen zu weiteren Investitionen zu erpressen, wie das Beispiel EADS kürzlich gezeigt hat.

Diese Industrie ist in höchstem Maße schädlich für die Gemeinschaft. Denn jeder militärische Flug entfaltet nicht nur ein unnötiges Gefährdungspotential, sondern schädigt auch die Erd-Atmosphäre. Denn auch Flugzeuge stoßen CO2 nicht gerade in geringen Mengen aus. Eine Einmottung dieser Geräte wäre also gleichzeitig ein Beitrag zum Schutz des politischen wie auch des biologischen Welt-Klimas.

Franz-Josef Hanke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*