Ein Fall von fortgeschrittener Barbarei – Soldaten missbrauchten Kinder als „menschliche Schutzschilde“

12.03.2007 – jn

Ende Februar 2007 führte die israelische Armee wieder einmal Hausdurchsuchungen im besetzten Westjordanland durch. Im Zuge der Militäroperation „Heißer Winter“ in der Stadt Nablus geschah Ungeheuerliches. In mindestens zwei bekanntgewordenen, dokumentierten Fällen zwangen israelische Soldaten palästinensische Kinder, als „menschliche Schutzschilde“ zu fungieren.

Dass gerüchteweise auch von palästinensischen Terror-Kämpfern solche „Geiselnahmen“ der eigenen Zivilbevölkerung vorgekommen sind, relativiert das in keiner Weise. Für die Soldaten eines Staats, der sich selber zur sogenannten „westlichen Werte-Gemeinschaft“ zählen möchte, müssen hohe moralische Maßstäbe gelten. Darüber hinaus handelt es sich eben nicht um einen bagatellisierbaren „Einzelfall“ sondern wie allein die Mehrzahl der Missbrauchsfälle zeigt, um systematische schwerste Menschenrechtsverletzungen gegen Kinder.

Ein Fanal der Entmenschlichung

Die von der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem am 9. März aufgedeckten Handlungen aus Angst und Skrupellosigkeit sind ein neues Fanal der Entmenschlichung durch den Krieg. Der Staat Israel führt als Besatzungsmacht köchelnden Krieg gegen die Palästinenser. Die jungen Wehrpflichtigen wissen um das Unrecht, verweigern sich mehrheitlich aber nicht, und haben vor allem viel Angst um das eigene Leben. Verständlich ist das, aber es rechtfertigt niemals Skrupellosigkeit in der Wahl der Mittel.

Dass auf der Gegenseite auch MENSCHEN von ihren Handlungen betroffen und traumatisiert werden, ist schlicht eine Tatsache. Das zu erkennen und anzuerkennen ist von jungen Soldaten einzufordern ohne Wenn und Aber. Offenbar sind viele von ihnen aus einer Mischung von Angst, Hass und ideologischer Verblendung nicht mehr dazu bereit oder imstande.

Vermutlich werden die Täter nach langem gerichtstypischem Verfahren-Verzögerns geringfügig bestraft werden. Bürokratische Zähigkeit ist nicht medienattraktiv. Eine Verschleppung wird gegebenenfalls herbeigeführt nach der zynischen Devise „sowenig Medien-Aufsehen wie möglich“.

Das Vorgehen ist ein Zivilisationsbruch

Und damit wäre dieser „kleine“ Skandal, der eigentlich ein kleiner Zivilisationsbruch ist, „gegessen“? Nein, nein. Die Vorgesetzten müssen peinlich darüber befragt werden, wie sie ihre gesetzliche Dienstaufsicht so grob fahrlässig „schleifen lassen“ konnten. Wenn sie nominell „die Verantwortung tragen“, dann sollen sie sie real auch vor Gericht tragen müssen.

Die Einsatz-Regeln, die solch barbarisches Verhalten wahrscheinlich eindeutig verbieten, müssen dennoch überprüft werden. Die Frage ist, wieso sie so ohne Weiteres umgangen und nicht befolgt werden. Es ist anscheinend davon auszugehen, dass in der israelischen Armee schwere Ausbildungsmängel sowie eine geradezu erschreckend heruntergekommene Moral festzustellen sind.

Und ich bin überzeugt, dass ein Staat, der solche belegten Zustände nicht ehrlich aufklärt und durch überzeugende strukturelle Änderungen in seinem Militär bewältigt, nicht mehr unter die zivilisierten Nationen gezählt werden darf!

Jürgen Neitzel

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