Gedenktag sollte als Mahnung dienen – Überlegungen zum 27. Januar

27.01.2007 – FJH

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Deswegen hat der frühere Bundespräsident Prof. Dr. Roman Herzog den 27. Januar zum Holocaust-Gedenktag ausgerufen. Viel mitbekommen hat man davon am Samstag (27. Januar) in Marburg aber nicht.
Ein Konzert des jüdischen Klarinettisten Giora Feitman präsentierte Musik von Klassik bis Klezmer. Eine Film-Vorführung im „Cineplex“ brachte das Thema vor allem jungen Leuten nahe. Ansonsten aber geschah wenig, um sich mit dem Holocaust auseinanderzusetzen.
Ansatzpunkte indes gäbe es in Marburg und seiner Umgebung freilich zur Genüge. Beispielsweise verfolgen Marburger Staatsanwälte und Richter den Antifaschisten Dr. Ulrich Brosa wegen Verstoßes gegen das Bundes-Datenschutzgesetz, während sie seine neofaschistischen Peiniger schonen oder vielleicht gar aktiv schützen. 30 Angriffe hat der weltbekannte Physiker bisher schon erlitten. Kein Staatsanwalt und kein Richter hat die Täter bisher wirkungsvoll für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen!
An einem Tag wie dem 27. Januar wäre es vielleicht an der Zeit, einmal über diese Vorgänge zu diskutieren. Dabei wäre es sicherlich auch hilfreich, über
den Holocaust und die erschreckende Rolle der deutschen Bevölkerung nachzudenken: Wie konnte der industriell durchgeführte Massenmord an Millionen Menschen durchgeführt werden? Wer hat sich daran bereichert? Wer hat sich daran beteiligt? Wer hat sich als „Fähnlein im Wind“ verhalten? Wer hat tatenlos zugeschaut, wenngleich vielleicht mit einem schlechten Gewissen? Und wer hat wenigstens das dagegen getan, was er ohne Gefahr für das eigene Leben unternehmen konnte?
Faschismus beginnt im Alltag. Faschismus beginnt mit Ausgrenzung und Verächtlich-Machung. Faschismus beginnt in den Köpfen.
Wenn sich die Menschen nicht schon den Anfängen entgegenstellen, dann kann es später vielleicht zu spät sein.

Franz-Josef Hanke

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